Bitcoin - Das knappste Asset der Welt?

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Als Satoshi Nakamoto 2008 sein Whitepaper zu Bitcoin (‚Bitcoin: A Peer-to-Peer Electronic Cash System‘) veröffentlich hat, hätte wohl nicht mal er erahnen können, welche Entwicklung seine Erfindung in den nächsten 11 Jahren durchläuft. Wurde ein Bitcoin 2010 noch für 0,08$ gehandelt, so hat er nur 11 Jahre später die magische Grenze von 1 Billion US-Dollar an Marktkapitalisierung erreicht und steht aktuell bei ca. 55.000$ - pro Bitcoin. Dies entspricht einer durchschnittlichen Verdopplung des Preises alle 6 Monate.
In diesem Artikel gehen wir auf die absolute Knappheit von Bitcoin ein, vergleichen diese mit den anderen Assets wie Aktien und Gold und geben mögliche Gründe für die sagenhaften Preisanstiege in der Vergangenheit.

Wie werden Preise an der Börse gebildet?

Kurz gesagt bilden sich die Preise durch Angebot und Nachfrage. Übersteigt die Nachfrage das Angebot, steigt der Preis. Übersteigt das Angebot die Nachfrage, fällt dieser. Das gilt für alle gehandelten Güter wie Aktien, Immobilien, Rohstoffe – und eben Kryptowährungen.

Wie viele Bitcoin gibt es maximal?

Die maximale Anzahl aller jemals existierenden Bitcoins wurde von Satoshi Nakamoto in seinem Whitepaper mit 21 Millionen definiert und auch in der ersten veröffentlichten Version des Programmcodes festgeschrieben. Dieser Wert wird als harte Obergrenze bezeichnet, welche niemals verändert werden kann. Doch stimmt dies wirklich? Um diese Frage zu beantworten, schauen wir uns zwei Szenarien an: Eine Veränderung der Menge aller Bitcoin durch einen Hackerangriff (1) sowie durch eine demokratische Abstimmung der Nutzer (2).

Kann die maximale Anzahl an Bitcoin verändert werden?

Veränderung der Bitcoinmenge durch einen Hackerangriff

Hierbei nehmen wir an, dass ein Hacker das Netzwerk angreift und die Anzahl aller jemals erstellten Bitcoin verändert. Bei diesem Szenario kann direkt Entwarnung gegeben werden, denn in der Blockchain werden Daten nicht zentral auf einem Server gespeichert, sondern dezentral auf allen teilnehmenden Rechner gleichzeitig. Für einen Hacker reicht es somit nicht aus, den Code auf einem Server zu verändern, sondern man müsste den Programmcode auf allen teilnehmenden Rechnern gleichzeitig verändern. Was quasi unmöglich ist.

Veränderung der Bitcoinmenge durch eine Nutzerabstimmung

Hierbei nehmen wir an, dass die Mehrheit der Netzwerkteilnehmer sich dafür entscheidet, die maximale Anzahl zu erhöhen. Dies ist in der Theorie zwar möglich, damit einher geht aber auch eine Verwässerung der eigenen Anteile am Netzwerk und damit verbunden eine Wertminderung – und wer möchte das schon? Es kann also mit großer Sicherheit davon ausgegangen werden, dass die Mehrheit der Nutzer einer derartigen Verwässerung nicht zustimmen würde.

Knappheit von Bitcoin vs. Aktien

Bei Aktien gibt es ebenfalls eine fest definierte Obergrenze des Angebots, allerdings wird diese Obergrenze zentral von den jeweiligen Unternehmen bestimmt und diesen steht frei, eine Kapitalerhöhung in Form von einer Ausgabe neuer Aktien durchzuführen. Bei einer solchen Kapitalerhöhung kommt es zu einer Verwässerung der eigenen Anteile und infolgedessen oftmals zu einer Wertminderung. Es kann also niemals mit Sicherheit gesagt werden, dass die prozentualen Anteile an einem Unternehmen gleich groß bleiben.

Knappheit von Bitcoin vs. Gold

Wie bei Aktien wird der Preis von Gold ebenfalls durch Angebot und Nachfrage bestimmt. Im Gegensatz zu Aktien gibt es bei Gold allerdings keine feste Obergrenze, da nicht genau definiert werden kann, wie viel Gold auf unserem Planeten vorhanden ist und welche Mengen in Zukunft beschafft werden können z.B. durch Asteroid-Mining. Zudem wird durch den Goldabbau die aktuell im Umlauf befindliche Menge kontinuierlich erhöht. Diese kontinuierliche Zufuhr ist in dem aktuellen Goldpreis allerdings schon eingepreist und wird daher von uns nicht genauer beachtet. Interessant wird es, wenn der Goldpreis durch eine erhöhte Nachfrage steigt, denn dies kann dazu führen, dass der Abbau in bisher unprofitablen Goldminen wieder profitabel wird. Die erhöhte Fördermenge steigert dann wiederrum das Angebot, was den Preis bei gleichbleibender Nachfrage langfristig drücken könnte.

Ist Bitcoin deflationär?

Ähnlich wie bei Gold werden kontinuierlich neue Bitcoin geschürft. Dies findet allerdings nicht physisch, sondern digital statt. Alle am Netzwerk teilnehmenden Rechner konkurrieren darum, den nächsten Block an die Blockchain anhängen zu dürfen – hierzu werden komplexe Rätsel gelöst und der Rechner, welcher diese als erstes löst, darf den Block erstellen und bekommt dafür Rewards in Form von Bitcoin – aktuell 6,25 BTC pro Block.

Eine Besonderheit hierbei ist, dass eine Preisänderung keinen Einfluss auf die Block Rewards hat. Denn steigt der Bitcoinpreis, sind dementsprechend auch die Rewards mehr wert und das Mining ist somit profitabler. Dies lockt wiederrum neue Miner an, welche ebenfalls um den nächsten Block konkurrieren. Dies führt zu einer höheren kombinierten Rechenkraft aller beteiligten Partien und somit zu einer höheren Wahrscheinlichkeit, dass ein Block gefunden wird. Allerdings beinhaltet das Bitcoin Protokoll eine automatische Anpassung der Mining Schwierigkeit – diese Anpassung stellt sicher, dass zu jedem Zeitpunkt nur ca. alle 10 Minuten ein neuer Block gemined wird. Die Wahrscheinlichkeit, dass man selbst den nächsten Block findet, wird somit gemindert und somit auch die eigenen Rewards. Eine Steigerung des Preises führt daher zwar zu einem sicheren Netzwerk, allerdings zu keiner Erhöhung des Angebots.

Ein weiterer Aspekt, welcher eine beträchtliche Rolle bei den vergangenen Preisentwicklungen gespielt haben dürfte, ist das Block Halving. Dieses Event tritt alle 4 Jahre ein und halbiert die Block Rewards. Das letzte Halving war im Mai 2020 mit einer Halbierung von 12,5 auf 6,25 BTC. Man kann generell annehmen, dass durch die starke Konkurrenz bei der Schürfung der Blöcke die Mehrheit aller neu erstellten Bitcoin direkt verkauft werden muss, um die Stromkosten für den Betrieb der Mining-Geräte zu decken. Dieser Verkauf ist daher bereits in dem aktuellen Marktpreis eingepreist.
Durch das Halving wird dieser Zufluss halbiert, was dazu führt, dass viele Miner nicht mehr profitabel arbeiten können und aufgeben werden. Allerdings hat das Halving auch zur Folge, dass der kontinuierliche Zufluss an neuen Bitcoins verringert wird und somit (bei gleichbleibender Nachfrage) das Angebot verringert wird – was langfristig die Preise nach oben treibt.

Fazit: Wirklich das knappste Asset der Welt?

Anders als bei Aktien und Gold hat der Bitcoin mit 21 Millionen Stück eine harte Obergrenze, welche nicht verändert werden kann, zudem wird geschätzt, dass ca. 5 Millionen bereits unwiderruflich verloren sind. Die kontinuierlichen Block Rewards sind bereits einbepreist und das Halving alle 4 Jahre führt zu einer künstlichen Verknappung des Angebots und treibt somit langfristig die Preise nach oben – selbst wenn sich die Nachfrage nicht verändert. Durch diese Eigenschaften wird etwas geschaffen, das bei keinem anderen Asset gegeben ist: Vollständige Transparenz und die Sicherheit, dass der eigene Anteil am Netzwerk niemals verwässern kann.

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