Staking und Steuern – Was muss ich beachten?

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Immer mehr Projekte setzen auf den Konsensmechanismus Proof of Stake (PoS), welcher als besonders energiesparend und zukunftssicher gilt, und bieten somit die Möglichkeit des Staking an. Wenn du generell mehr über Staking erfahren möchtest, lese dir gerne unseren Blogeintrag "Was ist Staking und wie kann ich damit Geld verdienen" durch.  
Doch so lukrativ das Ganze auch klingt, eine Sache wird (leider) gerne unter den Tisch fallen gelassen: Das Thema Steuern.

Was gilt bei Staking?

Generell gilt bei Kryptowährungen die Faustregel, dass nach einer Haltefrist von einem Jahr die realisierten Gewinne steuerfrei sind – berechnet wird in den meisten Fälle nach dem FIFO Prinzip (First In, First Out). Wieso nur in den meisten Fällen? Es gibt in Deutschland aktuell leider keine einheitliche Regel und kann von Finanzamt zu Finanzamt variieren.
Erzielst du nun allerdings Einnahmen mit deinen Kryptos z.B. mittels Staking oder Lending, sieht die Sache schon wieder ganz anders aus – denn dann verlängert sich die Haltefrist auf 10 Jahre! Und hierbei ist egal, ob du deine Coins für 1 Jahr stakest oder nur für einen Tag bzw. gar eine Stunde. Die Haltefrist wird in jedem Falle verlängert. Die Frist beginnt übrigens nicht ab Beginn des Stakings sondern ab dem Datum der Anschaffung des jeweiligen Coins. Somit ist es ebenfalls möglich, dass Coins, welche bereits über ein Jahr gehalten wurden, durch das Staking wieder in das 10 Jahre Fenster fallen.
Dies klingt erst einmal verwirrend, daher versuchen wir anhand von zwei Beispielen etwas Licht ins Dunkeln zu bringen:

Beispiel für Steuern beim Staking

Beispiel 1: Bob kauft am 30. November 2016 Cardano Anteile im Wert von 1000€ und verkauft diese am 01 Dezember 2017 mit 100% Gewinn wieder.

➜ Da Bob mit diese Coins nur hält und die Haltefrist mehr als ein Jahr beträgt, sind die Gewinne nach deutschem Steuerrecht steuerfrei.

Beispiel 2: Alice kauft ebenfalls am 30. November 2016 Cardano Anteile im Wert von 1000€. Am 01. Dezember 2017, also über ein Jahr später, sind ihre Anteile stark gestiegen und Alice entscheidet sich ihre Anteile zu staken, um darauf ebenfalls noch einmal Einkünfte zu erzielen. Nach 5 Tagen bricht der gesamte Markt ein, Alice bekommt Angst und entscheidet sich ihre gesamten Anteile zu verkaufen.

➜ Durch den Prozess des Stakings hat sich nun allerdings die Haltedauer auf 10 Jahre erhöht, mit Beginn des Erwerbes des Coins (30. November 2016). Verkauft sie in dieser Zeit nun ihre Coins, sind die kompletten Gewinne steuerpflichtig, auch wenn diese vor dem Staking bereits ein Jahr gehalten wurden
Das zweite Beispiel kann allerdings verhindert werden, in dem Alice ihre Coins vor dem Staking verkauft und neu anschafft. Somit kann sie den Gewinn vor dem Staking steuerfrei realisieren, da sie die Coins bereits über ein Jahr gehalten hat. Direkt danach kauft sie ihre Anteile wieder zurück, somit ergibt sich ein neues Kaufdatum vom 01.12.2017 ab dem die Haltefrist für das Staking greift.

Woher kommen die 10 Jahre Haltefrist?

Die 10 Jahre Haltedauer sind im Steuerrecht nicht direkt auf Kryptowährungen bezogen, sondern hatte ihren Ursprung bei dem Container Leasing. Daher ist aktuell auch noch nicht 100% geklärt, ob die Haltedauer sich tatsächlich erhöht – dies schwankt von Finanzamt zu Finanzamt.
Es gibt aktuell allerdings einen neuen Entwurf, welcher regelt, dass die 10 Jahre Haltedauer in Zukunft auch bei Kryptowährungen in jedem Falle gilt. Allerdings ist auch hierbei nur von Lending die Rede und Staking wird nicht beachtet. Es muss bei dem Entwurf also nochmal nachgebessert werden, um auch die restlichen Fragezeichen zu entfernen.

Allerdings ist eine Sache klar: Man sollte seine Gewinne immer angeben, denn Steuerschuld vergeht erst nach 5 Jahren und man kann davon ausgehen, dass die Finanzämter in den nächsten Jahren ebenfalls Zugriff auf die großen Exchanges wie Binance oder Coinbase bekommen.

Gibt es eine Freigrenze für Staking Rewards?

Ja, die gibt es indirekt über die Einkünfte aus Leistungen i.S.d. § 22 Nr. 3 EStG und diese beträgt 256€ im Jahr. Hierbei muss allerdings beachtet werden, dass es sich um eine Freigrenze und keinen Freibetrag handelt. Während bei einem Freibetrag nur alles über den 256€ versteuer wird, muss bei einer Freigrenze allerdings der gesamte Betrag versteuert werden, sobald die Grenze überschritten wurde.

Es muss zudem beachtet werden: Zu den Einkünften aus Leistungen i.S.d. § 22 Nr. 3 EStG zählen nicht nur Kryptowährungen, sondern es müssen alle Einnahmen welche unter diese Kategorie fallen addiert werden.

Gibt Steuersoftware für Kryptowährungen?

Ja die gibt es! Die bekanntesten sind Cryptotax.io und Koinly.io. Diese bieten eine einfache Anbindung an zentrale Exchanges wie Coinbase, Binance etc. und teilweise auch die Möglichkeit, Informationen direkt aus den eigenen Wallets auszulesen.

Da es in diesem Artikel um Steuern geht, möchte ich noch einmal hervorheben:
Wir sind keine Anlage- und Steuerberater und dieser Artikel beinhaltet daher keine Anlageempfehlung bzw. Steuerberatung jeder Art. Wir haben viel Zeit in die Recherche gesteckt, allerdings erheben wir nicht den Anspruch, dass die Informationen richtig oder vollständig sind, zudem können die Informationen zum Zeitpunkt des Aufrufs bereits veraltet sein. Wir empfehlen daher ausdrücklich, weitere Recherche durchzuführen und einen Steuerberater zu kontaktieren.

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